Erinnerung an Clara Pfauter - die Stifterin des Lößnitzer Glockenspiel

Wen wir über bekannte Persönlichkeiten der Stadt Lößnitz sprechen, ist ein Name untrennbar mit dem Lößnitzer Bronzeglockenspiel verbunden.
Frau Clara Pfauter geb. Colditz ist es zu verdanken, dass Lößnitz heute eines der ältesten und wohl auch klangvollstens Glockenspiele Deutschlands besitzt. Im Jahre 1938 machte sie Ihrer Heimatstadt anlässlich der 700-Jahrfeier die 23 Bronzeglocken zum Geschenk.
Eine in dieser Art einmalige Schenkung, deren unschützbarer Wert sich wohl kaum in Zahlen ausdrücken lässt. Im Jahre 1875 erblickte Clara Pfauter in Lößnitz das Licht der Welt - ein würdiger Anlass, für uns in Dankbarkeit und Anerkennung an diese ungewönliche Frau zu erinnern.
Es stellt sich immer wieder die Frage, was Clara Pfauter dazu bewogen hat, ihrer Heimatstadt ein derart wertvolles Geschenk zu stiften ?
Ihre Lebensgeschichte könnte Antwort auf diese Frage geben, denn trotz schwerer Schicksalsschläge war ihr Inneres von besonders intensiver Heimatliebe geprägt.
Geboren wurde Maria Clara Pfauter am 20. März 1875 in Lößnitz als Tochter des Maurers Friedrich Wilhelm Colditz und seiner Ehefrau Therese. Wohlbehütet verbrachte sie ihre Mädchenjahre im Haus der Eltern. Als sie 11 Jahre alt war starb der Vater und sie blieb mit Ihrer Mutter allein. Am 5. September 1896 heiratete die 21-jährige Clara in der Lößnitzer St. Johanniskirche den Ingenieur Robert Hermann Pfauter. Dieser entstammte einer Gutsbesitzerfamilie aus Gölschen bei Leipzig. Für ihn war es nach dem Tode seiner ersten Frau im Jahre 1887 die zweite Ehe. 
Bald schon zog das junge Paar nach Chemnitz, denn nur hier war es Hermann Pfauter möglich, seine Erfindung auf dem Gebiete des Maschinenbaus, zu realisieren und die Gründung einer eigenen Firma vorzubereiten. Es sollten schwere Jahre für Cara Pfauter werden, denn unentwegt arbeitete ihr Ehemann am Aufbau des eigenen Unternehmens. Am 24. Dezember 1900 hatte er endlich sein Ziel erreicht-die eigene Firma wurde gegründet.
Nicht nur das junge Unternehmen entwickelte sich erfolgreich. Auch die Familie vergrößerte sich zusehens. 7 Söhne und 3 Töchter erblickten in den Folgejahren das Licht der Welt. Doch bald schon sollte ein schwerer Schickersalsschlag das Familienglück erschüttern. Am 14. Oktober verstarb Hermann Pfauter im Alter von 58 Jahren. Mit ihren zehn, noch unmündligen Kindern, und der Fabrik stand Clara Pfauter allein - in einer Zeit , die durch den 1. Weltkrieg und seinen verheerenden Folgen geprägt war. Was für Kraft musste die junge Frau wohl entwickeln, um als Mutter von 10 Kindern und Chefin einer Firma, mit welcher sie erts vertraut werden musste, zu bestehen. Mit viel Energie ist es ihr dennoch gelungen, beides miteinander zu verknüpfen. Ein gutes Firmenklima und verantwartungsvolle Berater halfen ihr dabei. Später fand sie auch durch ihre Söhne umpfangreiche Unterstützung.
Viel Kraft hat  ihr in dieser Zeit die Liebe zu ihrer ergebirgischen Heimat gegeben. Vielleicht ware gerade in der Weihnachtszeit, als sie jede freie Stunde vor der von Walter Hambeck geschnitzten Krippe verbrachte, der Gedanke in ihr gereift, ihrere  Heimatstadt ein Glockenspiel zu schenken. Die Stadt Lößnitz nahm, dieses Geschenk gerne an. Zunächst sollte das Glockenspiel auf dem Rathausturm seinen Platz finden. Da dies statischen Gründen nicht möglich war, wurde mit Zustimmung der evangel. - luther. kirchgemeinschaft der Turm der St. Johanniskirche als Standort festgelegt. Eine besonders gute Lösung, wie sich später herausgestellt hat. Es folgte ein reger Schriftwechsel mitder Stadt Lößnitz, denn in allen Entscheidungen, selbst bei der Auswahl der zu spielenden Tittel, wurde Frau Clara Pfauter einbezogen. Am 28.Mai 1938 (Pfingsten) war nach einem Festakt im "Deutschen Haus" das Glockenspiel erstmals zu hören. gespielt wurde es vom dem Berliner Wilhelm Bender.
Doch nur wenige Jahre konnte sich Clara Pfauter am Klang der 23 Glocken bei Besuchen in ihrer Heimatstadt Lößnitz erfreuen. Zwar wurde das Glockenspiel noch in letzter Sekunde vor der Abnahme für Kriegszwecke gerettet, für Clara Pfauter sollte es jedoch viele Jahre nicht mehr zu hören sein.
1945 musste sie mit Ihrer Familie die geliebte ergebirgische Heimat verlassen. Wieder einmal schon wie so oft in ihrem Leben, stand sie vor einem Neuanfang, diesmal im westlichen Teil Deutschlands. Doch auch diesen Start schaffte die nun schon 70-jährige. Ihr war es vergönnt, den Neuaufbau des Unternehmens durch ihre Söhne in Ludwigsburg mitzuerleben. Auch hier stand sie immer noch mit Rat und Tat zur Seite.
Vier Erwachsene Söhne und eine Tochter gingen ihr im Tode voraus, bevor sie am 1. Oktober 1960 im Alter von 85 nach einem erfüllten Leben verstarb.
Auf grund ihrer hohen Verdienste wurde Frau Clara Pfauter zur Ehrenbürgerin von Lößnitz ernannt. Noch leben die Nachkommen der Familie in Ludwigsburg. bei der Erstellung dieses Beitrages stützte sich der Autor auf Angaben von Frau Pfauters jüngsten Tochter Charlotte.

H.N.